Der zweite Teil der Entdeckungsreise der Spuren der deutschen Minderheit in Siebenbürgen, die vom Jugendforum Bukarest organisiert wurde, führte dieses Mal nach Seligstadt, einem kleinen Dorf in der Nähe von Fogarasch.
Die gemischte Jugendgruppe, bestehend aus Schülern und jungen Lehrern des deutschen Goethe Kollegs Bukarest, der deutschen Abteilung der Doamna Stanca Schule in Fogarasch und andere deutschsprachige und an der deutschen Minderheit interessierte Jugendliche, hat an diesem Wochenende viele Informationen über die deutsche Minderheit sowie die geschichtlichen Verhältnisse der Region erfahren. Der Pfarrer der Evangelischen Kirche AB Fogarasch war am Samstag dabei und hat uns viel sowohl über die Ankunft der deutschen Minderheit in der Region erzählt sowie uns auf einer drei stündigen Wanderung in der Gegend von Seligstadt begleitet und uns eine Führung in der Kirchenburg des Dorfes und seiner anliegenden Gebäuden gemacht.
Die Teilnehmer haben erfahren:
Die Gegend um Seligstadt war die erste von den Siebenbürger Sachsen besiedelte Region und zwar Ende des 12. Jahrhunderts, da die Lage damals strategisch interessant war. Seligstadt selbst ist 1206 erstmals urkundlich erwähnt worden.
In Seligstadt gibt es, wie in den meisten sächsischen Dörfern, auch eine befestigte Kirche die zwischen 1350 und 1400 gebaut wurde. Damals war es eine kleine Kirche ohne Befestigungsanlagen. Als sich aber die Gefahr der türkischen Einfälle deutlich verstärkte, wurde die kleine Kirche mit einem Wehrturm und Steinpfeiler befestigt. Ebenfalls hatten die Dorfbewohner, im Falle eines Angriffes die Möglichkeit, die zu nahe gekommenen Feinde mit Pech, Steine oder Wasser durch speziell gebaute Löcher zu begießen bzw beschlagen.
Der Altar stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde von einem bekannten aber früh verstorbenen Maler erstellt. Das Bild weist verschiedene Elemente auf die unterschiedlich gedeutet werden können. Zum Beispiel ist Jesus Haare so dargestellt, dass man denken könnte, es sei noch eine Gestalt hinter ihm versteckt, oder dass er eine jüdische Kippa auf dem Kopf hätte. Diese sind aber auch nur Spekulationen, die auch in folge der veralteten und verdunkelnden Gemälde hätten entstehen können.
Die Kirche verfügt auch über eine Früchtenkammer wo die Früchte und der Speck der Dorfbewohner gelagert wurden. Diese Kammer war besonders wichtig, so dass es zwei Schlüssel für den Eintritt gab, die eine bei einem Dorfbewohner und die andere bei einem anderen. Um reinzukommen, mussten also beide Schlüsselmänner anwesend sein. So konnten auch die Diebstähle besser verhindert werden. Ausserdem verfügte jede Familie über ihren eigenen Stempel und stempelte damit den Speck, jedes mal sie ein Stück daraus geschnitten hatten. Die Früchtenkammer hat man noch bis vor 20 Jahren genutzt, bis sich die Dorfbewohner eigene Gefrierfächer gekauft haben.
Die 15 Jugendlichen wurden in der Jugendherberge des Dorfes untergebracht. Diese verfügt über mehrere Mehrbettzimmer und zahlreiche Freizeitangebote. Zum einen kann man viel in der Gegend wandern und spazieren; es gibt markierte Wege die nach Fogarasch und zu den benachbarten Dörfern wie Bekokten, Malmkrog und Retersdorf führen. Zum anderen bietet das Haus selbst Möglichkeiten für die Abendgestaltung, denn in dem kleinen Dorf gibt es keine Bars oder Diskos. Im Keller befindet sich ein Begegnungsraum, der über Fußbodenheizung verfügt und wo es einen Billiardtisch, eine Tischtennisplatte und ein Kickertisch gibt. Die Jugendherberge wird von der evangelischen Kirche AB in Fogarasch verwaltet.
Abends kamen diese Freizeitangebote der Jugendherberge sowie ein Teil der Spiele des Jugendforums zum Einsatz. Es wurden Billiard, Tischtennis und Kicker aber auch Tabu, Ligretto, Uno und Anno Domini in einem geselligen Beisammensein gespielt.
Die Teilnehmer haben also wieder etwas über die Traditionen und das Leben der Siebenbürger Sachsen erfahren. Außerdem haben Sie ein lustiges Wochenende an der frischen Luft verbracht.




